Wie Winzerinnen und Winzer im tropischen Königreich ein eigenes Terroir formen – und warum thailändischer Wein längst mehr ist als eine exotische Randnotiz.

In der Morgendämmerung legt sich feuchter Dunst über die Rebreihen von Hua Hin. Tropische Hitze, später Monsunregen – eigentlich Bedingungen, in denen Reben nicht gedeihen sollten. Und doch stehen hier Menschen zwischen Palmen, Elefantenrouten und sandigen Böden, die das Unmögliche versuchen: Wein zu erzeugen, der mit europäischen Traditionen konkurrieren kann, ohne sie zu imitieren.
Tropischer Morgen im Weinberg
Der Morgen kommt langsam über den Hügeln von Hua Hin, als hätte die Sonne selbst einen Moment gezögert, bevor sie ihre Hitze über das Land schickt. Ein fahler, fast perlmuttfarbener Schimmer liegt über den Reihen der Rebstöcke, die sich an den flachen Anstieg schmiegen, und irgendwo aus der Tiefe des Tals dringt das gedämpfte Brummen der Küste herauf. Das Meer ist nicht zu sehen von hier oben – doch man spürt es, in der salzhaltigen Luft, die über Nacht heraufgezogen ist, und in der feinen Feuchtigkeit, die sich wie ein unsichtbarer Film über Blätter, Drähte und das Werkzeug der Winzer legt. Dieser Weinberg, auf halbem Weg zwischen Strand und Hinterland, wirkt in der ersten Stunde des Tages wie eine Landschaft, die sich noch nicht entschieden hat, ob sie mediterran oder tropisch sein möchte.
Der Kellermeister, ein Mann Anfang fünfzig, gebürtiger Thai, doch mit der Ausbildung eines australischen Önologen, steht schon seit einer Stunde zwischen den Reben. Er trägt ein weit geschnittenes, helles Hemd, dessen Ärmel er bis zum Ellenbogen hochgekrempelt hat. Ein Tropenhut wirft Schatten auf sein Gesicht. Er hebt die Hand, berührt ein Blatt, prüft die Festigkeit der Traubenansätze, blickt hinauf in den Himmel, als läse er dort eine Art Prognose, die nur er zu verstehen vermag. „Der zweite Zyklus beginnt früher dieses Jahr“, sagt er halblaut, eher zu sich selbst als zu den zwei jungen Arbeiterinnen, die einige Reihen weiter Blätter ausdünnen. Ihre Bewegungen sind schnell, geübt; sie wissen, dass die Sonne bald schärfer wird und jede Stunde zählt.
Wer hier herkommt – mitten ins Herz von Thailand, in eine Gegend, die vor allem für Strände, Mangroven und Palmen bekannt ist – erwartet kaum, auf geordnete Rebzeilen zu treffen. Der gängige Reflex lautet noch immer: Wein braucht Kälte. Und doch stehen die Pflanzen hier, wachsen, tragen. Der Weinbau im Tropengürtel ist keine Laune, sondern eine hart erarbeitete Möglichkeit. Die Nächte sind nie wirklich kühl, die Tage stets feucht, und die Reben müssen zu dem gebracht werden, was anderswo die Jahreszeiten erledigen: eine gezielte Stressphase, einen künstlich gesetzten Punkt, an dem Wachstum sich verlangsamt und reife Aromen beginnen. Der Kellermeister spricht davon, als wäre es ein feines Instrument, das er stimmen müsse – doch eigentlich ist es eher eine tägliche Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig Wasser, zwischen Sonne und Schatten, zwischen der Lust der Pflanzen zu wachsen und der Notwendigkeit, sie zu zügeln.
Ein leichter Wind zieht jetzt durch die Reihen. Er riecht nach feuchter Erde, nach Staub, nach den Gestrüppen, die sich unterhalb der Anlage ins Buschland ziehen. Manche Rebhänge enden nur wenige Meter vor dichten Bambusgruppen, und gleich dahinter beginnt das Vorgebirge, das sich bis zu den Hügelketten des Kaeng-Krachan-Nationalparks erstreckt. Die Nähe zu all dem Wilden ist hier nicht nur Kulisse. Sie bedeutet Elefanten, die gelegentlich in der Dämmerung hinunterkommen, um junge Blätter zu rupfen; sie bedeutet Insekten, die in dieser Hitze ganze Parzellen in wenigen Tagen befallen können; sie bedeutet eine Natur, die weder feindlich noch freundlich ist – nur Übermacht.
Der Kellermeister zeigt auf ein Netz, das über eine jüngere Parzelle gespannt wurde. „Schattenmanagement“, sagt er, als handele es sich um ein gängiges Wort in jeder europäischen Weinregion. „Ohne das geht es nicht. Zu viel UV, und wir verlieren die Aromen.“ Die Trauben müssen sich gegen die Tropensonne wehren, und die Menschen hier helfen ihnen dabei, ohne sie völlig abzuschirmen. Ein Spiel mit Licht und Temperatur, bei dem jede Veränderung ein anderes sensorisches Ergebnis hervorbringt – ein Detail, das die hiesige Weinkultur mitunter prägt und der Region einen Charakter gibt, der sich weder in die alte noch in die neue Welt einordnen lässt.
Wenn die Sonne schließlich über den Kamm steigt, verwandelt sich das weiche Licht des Morgens in eine Helligkeit, die fast metallisch wirkt. Die Arbeiterinnen wischen sich den Schweiß von der Stirn. Eine davon lacht leise, als sie bemerkt, wie eine kleine Eidechse über die Spaltdrähte huscht. Der Tag hat begonnen, und mit ihm die Arbeit, die dieser Landschaft erlaubt, etwas hervorzubringen, das man hier vor zwanzig Jahren kaum für möglich gehalten hätte: einen Wein, der nach tropischem Boden schmeckt, nach salziger Brise, nach jener Mischung aus Hitze und Widerstand, die den Genuss zu etwas Eigenem macht.
Die ersten Trauben dieses Zyklus sind noch Wochen von der Lese entfernt. Doch schon jetzt, am frühen Morgen, in diesem flirrenden Licht, ahnt man, dass Rebsorten sich hier neu verhalten, neue Aromen finden und ein anderes Gleichgewicht suchen. Es ist ein Weinberg, der am Rand des Möglichen liegt – und vielleicht gerade deshalb zeigt, wie viel Mut in einem Land steckt, das gelernt hat, im Schatten seiner Küsten und Berge eine eigene Art des Weinbaus zu erfinden.
Geografie & Anbaugebiete – Landschaften des Unwahrscheinlichen
Wer in Thailand Weinberge sucht, muss bereit sein, seine geographischen Gewissheiten zu verschieben. Das Land, das in den gängigen Atlanten als feuchte, grüne Vertikale der Tropen erscheint – ein schmaler Rücken zwischen Andamanensee und Golf von Thailand –, entzieht sich den vertrauten Vorstellungen klassischer Weinlandschaften. Keine langen Winter, keine frostigen Nächte, keine scharfen Jahreszeitenwechsel. Stattdessen: ein Klima, das in Wellen kommt; Hitze, die sich in feinen Nuancen unterscheidet; Regenzeiten, die den Rhythmus des Jahres bestimmen. Und mittendrin stehen Rebstöcke, die gelernt haben, unter Bedingungen zu leben, die ihre europäischen Verwandten an den Rand der Erschöpfung bringen würden.
Hua Hin – Küstennähe als Herausforderung und Vorteil
Der wohl bekannteste Schauplatz des thailändischen Weinbaus liegt südwestlich von Bangkok, in der Region um Hua Hin. Nur wenige Kilometer trennen die Weinberge vom Meer, dessen Salz und Feuchte sich in der Luft halten wie ein unsichtbarer Film. Von den Hügeln aus sieht man bei klarer Sicht die dünne Linie der Küste, und manchmal bläst der Wind einzelne Körner Meersalz bis in die höher gelegenen Parzellen.
Hier, wo die Reben sanft aus der flachen Hügellandschaft steigen, prallen zwei Systeme aufeinander: die maritime Luft, die das Mikroklima stabilisiert, und die tropische Hitze des Inlands, die sich besonders im frühen Nachmittag über die Anlagen legt. Die salzhaltige Brise wirkt mitunter wie ein natürlicher Regulator. Sie trocknet Blattoberflächen schneller ab und verhindert, dass Feuchtigkeit zu lange stehen bleibt – ein wichtiger Faktor, denn in tropischen Regionen ist der Pilzdruck hoch, und Krankheitserreger verbreiten sich in den warmen Nächten rasch.
Doch Küstennähe ist nicht nur Segen. Sie bringt Feuchtigkeit mit sich, die zu falschen Zeitpunkten einfließt; sie sorgt für wechselhafte Windverhältnisse, die die Temperaturen stärker schwanken lassen, als es die Reben mögen. Manche Parzellen müssen intensiver gepflegt, manche Sorten vorsichtiger gewählt werden. Rebsorten, die mit salzhaltiger Luft gut zurechtkommen – Chenin Blanc etwa, aber auch einige rote mediterrane Sorten –, behaupten sich leichter. Andere geben schon nach zwei Vegetationszyklen auf, erschöpft von den ständigen Stressreizen.
Die Böden hier sind sandig-lehmig, durchzogen von verwittertem Granit. Wasser versickert schnell, doch die obere Humusschicht ist fruchtbar genug, um den Reben Stabilität zu geben. Die Bewässerung erfolgt präzise, meist über Tropfsysteme, die nur so viel Feuchtigkeit zuführen, wie nötig ist, um die Kraft der Pflanzen zu lenken. In Hua Hin zeigt Thailand eine erste, selbstbewusste Interpretation seines eigenen Weinbaus: küstennah, experimentierfreudig, gelegen zwischen Wind, Meer und Hitze.
Khao Yai – das Hochland als Entlastung
Weiter nördlich, an der Schwelle zum Khao-Yai-Nationalpark, beginnt ein ganz anderes Bild. Hier, im leicht erhöhten Hochland Zentralthailands, liegen einige der ambitioniertesten Weinflächen des Landes. Die Nächte können – im relativen Maßstab – überraschend kühl werden, zumindest so weit, wie es die Tropen zulassen. Die Hügelketten fangen Wolken auf, die tagsüber Schatten spenden und abends die Wärme konservieren. Ein eigener Mikrozyklus entsteht: feuchte Morgen, trockene Nachmittage, klare Abende.
Die Böden stammen aus alten vulkanischen Formationen. Sie sind mineralreich, dunkel, und manche Parzellen erinnern an mediterrane Terrassenanlagen, wenngleich hier keine historischen Stützmauern, sondern Natursteine die Hangneigung definieren. Die Rebe wurzelt tief, und sie scheint die mineralische Struktur auszulesen wie ein Gedächtnis. Besonders Rotweine – Shiraz, Grenache, auch Sangiovese – profitieren hiervon. Sie entwickeln weiche Tannine, helle Fruchtaromen und bleiben trotz Hitze erstaunlich ausgewogen in der Säure.
Der Begriff Monsoon Harvesting fällt hier oft. Die Lese findet nicht im Juli oder September statt, sondern im Januar oder Februar – jenen Monaten, in denen Thailand eine Art europäischen Winter imitiert. Die Trockenzeit bietet eine wertvolle Atempause: weniger Regen, weniger Pilzdruck, ein klarerer Reifeverlauf. Doch diese Verschiebung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. In der Regenzeit würde jede Traube binnen weniger Tage aufquellen, platzen oder schimmeln. Der Weinberg muss also gegen das tropische Jahr arbeiten, nicht mit ihm.
Dennoch ist Khao Yai mehr als eine meteorologische Ausnahmezone. Es ist ein Ort, der den thailändischen Weinbau mit einer Dimension versieht, die man hier nicht erwarten würde: Ruhe. Die tropische Umgebung wird gedämpfter, die Hitze weniger absolut, die Bedingungen besser modulierbar. Und so zeigt sich ein Bild, das fast europäisch wirkt – doch nur im ersten Moment. Denn die Tropen bleiben spürbar: in den intensiven Insektenpopulationen, in der Geschwindigkeit, mit der Unkraut wächst, und in der ständigen Wachsamkeit, die die Winzer hier brauchen.
Northern Highlands – Experimentierraum am Rand der Berge
Weiter nördlich, nahe Chiang Mai, wird der Weinbau jünger, kleiner, suchender. Die Northern Highlands sind ein Experimentierfeld, noch immer im Werden. Die Temperaturen sind moderater, die Nächte etwas kühler, das Gelände unruhiger. Kleine Terrassen fügen sich in die Berghänge, und man spürt deutlicher die Nähe traditioneller Landwirtschaft: Obstgärten, Gemüsefelder, kleine Dörfer, in denen das Wissen über Bodenfeuchte, Trockenzeiten und lokale Hydrologie seit Generationen weitergegeben wird.
Hier wird viel ausprobiert. Neue Rebsorten, resistente Klone, ungewöhnliche Versuchsanlagen. Manche Winzer arbeiten halbnaturalistisch, andere hochtechnisiert. Einige experimentieren damit, die Reben höher aufzubinden, um sie aus der feuchtesten Luftschicht herauszuheben. Andere verwenden Agroforstmethoden: Bananenstauden, die Schatten spenden; Kaffeesträucher, die Zwischenräume füllen und den Boden stabilisieren. Diese Form des Weinbaus ist zugleich Pionierarbeit und Ausdruck einer lokalen, sich entwickelnden Weinkultur, die nicht versucht, westliche Modelle zu kopieren, sondern neue zu formulieren.
Die Böden sind variabel – teils lehmig, teils kiesig, oft durchzogen von altem Gestein. Wasser kommt in der Regenzeit reichlich, manchmal zu reichlich, weshalb Terrassen und Drainagen entscheidend sind. Doch gerade diese Vielfalt macht die Region interessant. Sie liefert nicht das eine, unverwechselbare Profil, sondern ein Kaleidoskop möglicher Stile, das noch nicht vollständig ausgeschöpft ist.
Ein Land voller Mikroklimata
Was Thailand im Weinbau bemerkenswert macht, ist weniger der einzelne Standort als die Summe seiner Gegensätze. Tropische Strahlung trifft auf bergige Schattenzonen; salzhaltige Küstenluft auf vulkanische Böden; Feuchtigkeitsphasen auf Trockenperioden, die kurz, aber präzise genug sind, um geschmackliche Konzentration zu ermöglichen.
In keinem dieser Gebiete arbeitet man mit den Jahreszeiten, sondern gegen und mit ihnen zugleich. Man zwingt den Reben einen künstlichen Rhythmus auf, der jedoch erstaunlich natürlich wirkt, sobald man beginnt, ihn zu verstehen. Der thailändische Weinbau schreibt sich nicht in eine Tradition ein – er erfindet sie.
Die Menschen hinter dem Wein – Stimmen eines jungen Handwerks
Am Rand eines Weinbergs in Khao Yai steht eine kleine, offene Halle aus hellem Holz. Dort, im Schatten eines breiten Daches, unter dem Ventilatoren langsam ihre Kreise ziehen, sitzt eine junge Frau auf einem niedrigen Hocker. Sie schärft mit ruhigen Bewegungen eine Schere, deren Klingen feine Kratzer tragen, Spuren vieler Ernten. Ihr Name ist Mali, sie stammt aus einem Dorf nur wenige Kilometer entfernt, und sie arbeitet seit sieben Jahren hier – eine Zeitspanne, die in einem Land mit kaum drei Jahrzehnten Weinbauerfahrung bereits als halbes Berufsleben gilt.
Mali spricht leise, wenn sie erzählt. Wie sie an ihrem ersten Arbeitstag nicht glauben konnte, dass Reben in dieser Hitze gedeihen. Aber sie lernte, ihre Hände so zu bewegen, dass Blätter fallen, ohne dass die jungen Triebe verletzt werden. Und wenn der Geruch der Rebstöcke – eine Mischung aus Gras, Erde und einer leichten, fast süßlichen Note, die in der feuchten Luft liegt – ihr inzwischen vertrauter ist als der Duft der Reisfelder, in denen ihre Eltern arbeiteten. Sie ist Teil einer Generation, die erlebt, wie Weinbau in Thailand nicht mehr nur ein Experiment ist, sondern eine Option: ein Beruf, ein Handwerk, eine Möglichkeit, im eigenen Land zu bleiben und doch in einer globalen Kultur mitzuwirken.
Nicht weit von ihr entfernt steht ein Mann, der das ganze Projekt geprägt hat – zumindest in diesem Weingut. Er heißt Jonathan, kommt aus Südafrika und hat zuvor in Australien gearbeitet, bevor er vor mehr als einem Jahrzehnt nach Thailand kam. Seine Rolle ist die eines Vermittlers zwischen Klimawirklichkeit und önologischer Theorie. „Wir haben hier nicht einfach andere Bedingungen“, sagt er und fährt sich mit der Hand über die Stirn. „Wir haben ein ganz anderes Zeitgefühl.“ Die Rebstöcke wachsen schneller, reagieren unmittelbarer auf Hitze oder Regen, und was in Europa mehrere Wochen in Anspruch nehmen würde, geschieht hier manchmal innerhalb weniger Tage. Für ihn liegt die Faszination des tropischen Weinbaus genau darin: im ständigen Lernen.
Er kennt die international gängigen Rebsorten ebenso wie die lokalen Experimente. Chenin Blanc, Colombard und Shiraz gehören zu seinem täglichen Vokabular; doch er spricht ebenso über die Herausforderungen, wenn bestimmte Reben nicht die gewünschte Balance zwischen Zucker und Säure finden wollen. „Manchmal“, sagt er, „muss man die Erwartungen loslassen. Nicht alles kann sich verhalten wie im kühlen Klima.“ In seinem Ton liegt keine Resignation, sondern Anerkennung – für eine Landschaft, die sich nicht zwingen lässt, sondern eine eigene Logik hat.
Das Bild der Beteiligten wird noch vielfältiger, wenn man weiter nach Norden reist. In den Northern Highlands trifft man auf Winzerinnen, die aus der traditionellen Landwirtschaft kommen und den Weinbau als Erweiterung ihrer regionalen Identität betrachten. Eine von ihnen ist Daow, Ende dreißig, mit wachen Augen und einem Humor, der sich in kurzen, klaren Sätzen zeigt. Sie hat jahrelang Kaffee angebaut, kennt die Hügel, die Feuchtigkeitsmuster, die strengen Regenfälle. Als ihr ein neuseeländischer Önologe vor einigen Jahren sagte, die dortigen Hänge könnten interessante Weißweine hervorbringen, lachte sie – nicht aus Spott, sondern aus Unverständnis. „Wir hatten doch alles“, sagt sie heute. „Warum Wein?“
Und dann: „Jetzt weiß ich es.“
Für Daow ist Wein ein anderes Medium, um die Landschaft auszudrücken. Kaffee erzählt nur die morgendliche Geschichte – kühl, wach, präzise. Wein hingegen erzählt in ihrem Empfinden die Geschichte des ganzen Tages: Hitze, Wind, Wolken, Lichtwechsel. Weinkultur bedeutet für sie nicht Nachahmung, sondern ein langsames Verstehen des eigenen Terroirs.
Ihr Partner im Weinberg, ein junger Önologe aus Bangkok, ergänzt: „Wir arbeiten mit einem doppelten Kalender.“ Ein natürlicher für die Regenzeiten, ein künstlicher für die Reben. Dieser Hybrid aus Tradition und Innovation bringt manchmal Konflikte hervor. Ältere Bauern im Tal betrachten den Weinbau weiterhin mit Skepsis – als Produkt für Städter, als etwas, das Ressourcen bindet, ohne Teil des gewohnten Zyklus von Reis, Gemüse und Obst zu sein. Doch gleichzeitig sehen sie, dass Weingüter Arbeitsplätze schaffen, dass neue Kenntnisse entstehen, dass jüngere Menschen im Dorf bleiben, statt in die Großstadt zu ziehen.
Auch die Rolle der Königlichen Projekte ist spürbar, besonders im Norden. Einige der frühen Weinbauversuche wurden indirekt von Programmen begleitet, die darauf abzielten, die landwirtschaftliche Vielfalt zu erhöhen und neue Einkommensquellen zu schaffen. Heute sind diese Projekte weniger sichtbar, aber ihre Spuren sind geblieben: in Form von Forschungskooperationen, Bodenkartierungen und technischer Beratung.
Und dann gibt es die Visionäre – Unternehmerinnen und Unternehmer aus Bangkok oder Phuket, die den Weinbau nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse verfolgen, sondern aus einer eigentümlichen Mischung aus Leidenschaft und Ehrgeiz. Einer von ihnen, ein zurückhaltender Mann Ende vierzig, erzählt, er habe einst in Frankreich studiert und sei dort zum ersten Mal mit dem Gedanken konfrontiert worden, dass Wein nicht nur ein Getränk sei, sondern eine Denkweise. „Genuss“, sagt er, „ist ein kulturelles Konzept. Und ich wollte wissen, wie es klingt, wenn Thailand dieses Konzept selbst ausspricht.“
Mehrere Jahre später produziert er seinen eigenen Wein – ein leichter, aromatischer Weißwein, dessen Frische an Limettenblätter erinnert und dessen Struktur nicht versucht, europäische Vorbilder zu imitieren. Er beschreibt das Ergebnis als „Antwort auf ein tropisches Klima“. Nicht auf eine Tradition, nicht auf einen Stil. Auf eine Umgebung, die sich selbst in jedem Tropfen zeigt.
In allen Gesprächen – ob mit Arbeiterinnen, Önologen oder Unternehmern – schwingt eine gemeinsame Erkenntnis: Der Weinbau in Thailand ist weniger das Ergebnis einer langen Geschichte als eines fortgesetzten Aushandelns zwischen Natur und Mensch. Er ist eine Art Dialog, der jeden Tag neu beginnt, mit jedem Blatt, das fällt, mit jeder Wolke, die sich über eine Parzelle schiebt. Und vielleicht erklärt gerade das, warum die Menschen, die dieses Handwerk hier betreiben, eine besondere Art von Gelassenheit ausstrahlen. Nicht im Sinne von Bequemlichkeit, sondern im Bewusstsein, dass sich in den Tropen nichts erzwingen lässt.
Die Geschichte des Weinbaus in Thailand – Vom Zufall zur Absicht
Die Geschichte des thailändischen Weinbaus beginnt nicht mit einer Vision, sondern mit einem Missverständnis. In den 1960er- und 70er-Jahren, als Thailand wirtschaftlich und politisch an der Schwelle zu einer neuen Moderne stand, experimentierten einige landwirtschaftliche Projekte damit, Tafeltrauben in subtropischen Regionen anzubauen. Der Gedanke war pragmatisch: Vielfalt schaffen, Märkte öffnen, lokale Ernährungssysteme breiter aufstellen. Wein war damals kaum mehr als ein fernes Konzept, importiert, teuer, mit wenig kultureller Verankerung. Die Traube selbst hingegen war willkommen – süß, roh konsumierbar, ein Symbol moderner Landwirtschaft.
Doch in den kleinen Versuchsfeldern zeigten einige Rebstöcke ein Verhalten, das man nicht erwartet hatte. Sie produzierten Trauben, die – unter bestimmten Bedingungen – nicht nur saftreich, sondern ausgewogener waren als gedacht. Niemand sprach damals von Weinbau, und schon gar nicht von einer möglichen Weinkultur. Es ging um Agrardiversifizierung, nicht um sensorische Ambitionen. Die Hitze war erbarmungslos, die Regenzeiten unberechenbar, und die Idee, daraus einen Wein zu erzeugen, wäre vielen absurd erschienen.
Erst in den 1990er-Jahren änderte sich das Bild. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchs in den wohlhabenderen Schichten des Landes ein neues Selbstverständnis: Reisen wurden häufiger, internationale Speisen und Getränke hielten Einzug in die urbanen Zentren, und Wein – bisher ein Importartikel für besondere Anlässe – begann, in den Restaurants Bangkoks eine sichtbare Rolle zu spielen. Das Land öffnete sich, und mit dieser Öffnung wuchs ein leises, aber entscheidendes Interesse: Könnte man nicht versuchen, selbst Wein herzustellen?
Die ersten ernsthaften Anbaubemühungen waren riskant. Winzerinnen und Winzer, die heute als Pioniere gelten, experimentierten mit Tausenden von Pflanzen, testeten Rebsorten, Bewässerungsrhythmen, Laubarbeiten. Europäische und australische Önologen wurden eingeladen, sich den Boden und das Klima anzusehen. Viele schüttelten den Kopf, andere blieben – nicht aus Überzeugung, sondern aus Neugier. „Es war ein Experiment, das eigentlich nicht funktionieren sollte“, erinnert sich ein neuseeländischer Berater. „Und genau deshalb wollte ich dabei sein.“
Die 1990er-Jahre brachten auch eine neue Art von Infrastruktur mit sich: moderne Kellereien, temperaturkontrollierte Räume, Edelstahl, Wissenstransfer. Die technische Entwicklung war notwendig, denn ohne sie hätte man die instabilen klimatischen Bedingungen nicht bewältigen können. Gleichzeitig etablierten sich die ersten Weingüter als Ausflugsziele, besonders rund um Hua Hin und später in Khao Yai. Wein wurde nicht nur produziert, er wurde erlebbar – ein Narrativ, das den thailändischen Tourismus auf unerwartete Weise erweiterte.
Die kulturelle Akzeptanz allerdings hinkte hinterher. Thailand ist ein Land, in dem Alkoholkonsum religiös und politisch sensibel ist. Der Buddhismus sieht das Trinken skeptisch, und staatliche Regulierungen – etwa eingeschränkte Verkaufszeiten – machen den Markt bis heute komplex. Wein galt lange als Statussymbol der oberen Mittelschicht, als Zeichen internationaler Orientierung. Doch im Laufe der frühen 2000er Jahre entstand langsam ein Umschwung: Wein wurde weniger als Luxus erkannt und stärker als Verbindung zwischen lokaler Landwirtschaft und globalem Geschmack. Ein wachsender urbaner Mittelstand begann, das Getränk in Cafés, kleinen Bars und Boutique-Hotels einzufordern.
Die thailändische Politik hat den Weinbau nie explizit gefördert, aber auch nicht verhindert. Man tolerierte ihn, solange er Arbeitsplätze schuf und regionale Entwicklung vorantrieb. Einige der jungen Weingüter verdankten ihr Wachstum indirekt jenen Königlichen Initiativen, die darauf abzielten, die Landwirtschaft im Norden zu diversifizieren und Abhängigkeiten vom Reisanbau zu reduzieren. Diese Programme waren keine Weinbauprojekte im engeren Sinn – doch sie öffneten Türen: zu Forschung, zu Bodenkartierungen, zu landwirtschaftlichen Schulungen.
Der Schritt vom Exotenprodukt zur ernstzunehmenden Industrie vollzog sich leise, aber konsequent. Ende der 2000er-Jahre gewannen die ersten thailändischen Weine internationale Auszeichnungen – noch kleine, punktuelle Erfolge, aber genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Sommeliers aus Hongkong und Singapur begannen, thailändische Flaschen auf ihre Karten zu setzen, nicht als Kuriosität, sondern als Option. Diese Anerkennung wirkte zurück ins Land und veränderte das Selbstverständnis der Produzenten. Was einst als unmögliche Idee galt, begann, Form anzunehmen.
Heute blickt Thailand auf kaum drei Jahrzehnte ernsthaften Weinbaus zurück – eine winzige Zeitspanne im Vergleich zu Europa. Doch genau das macht die Entwicklung bemerkenswert. Die Geschichte ist jung, doch sie zeigt eine Dynamik, die viele etablierte Regionen verloren haben. Während anderswo Traditionen und Erwartungen schwer auf den Schultern der Winzer lasten, arbeiten die thailändischen Weinmacherinnen und Weinmacher mit einer fast anarchischen Freiheit. Sie definieren, was möglich ist, und sie wissen, dass sich der Weg erst im Gehen zeigt.
Im Hintergrund bleibt das Meer, bleibt die Hitze, bleibt das schwierige Klima. Doch genau darin liegt die Kraft dieser Geschichte: Sie erzählt nicht von Nachahmung, sondern von einer Suche. Von einem Land, das beginnt, seine eigene Handschrift im globalen Gespräch über Wein und Genuss zu finden.
Qualität & Stilistik – Der Geschmack einer tropischen Landschaft
Wenn man eine Flasche thailändischen Weins öffnet, hört man oft zuerst das Meer. Nicht im wörtlichen Sinn, aber in jener sanften, salzigen Andeutung, die in vielen Weißweinen aus Hua Hin anklingt, als würde der Wind, der tagsüber über die Hügel streicht, sich in den Aromen festhalten. Der erste Eindruck ist selten wuchtig. Stattdessen öffnet sich ein leiser, fruchtgeprägter Ton, der sich nicht an europäischen Schwergewichten orientiert, sondern an der Klarheit tropischer Morgen: helle Säure, feine Zitrusnoten, ein Hauch von Jasmin, manchmal auch Limettenblatt – ein Duft, der an thailändische Küchen erinnert, ohne sie zu imitieren. Hier beginnt das, was die Stilistik des Landes besonders macht: ein Wein, der seine Herkunft nicht versteckt, sondern offen zeigt, obwohl die Bedingungen seines Entstehens vielen noch immer unwahrscheinlich erscheinen.
Die weißen Sorten – Frische gegen die Hitze
Unter den Weißweinen dominieren im thailändischen Weinbau zwei Rebsorten: Chenin Blanc und Colombard. Beide zeigen sich in den Tropen erstaunlich anpassungsfähig. Chenin Blanc, eine Kapriole französischer Tradition in einer neuen klimatischen Wirklichkeit, hat sich als stabile, fast widerstandsfreudige Sorte erwiesen. Er speichert Säure besser als viele andere weißen Rebsorten und wird so zu einem verlässlichen Fundament in einem Klima, das Zuckerbildung beschleunigt und Säure leicht ausdünnt. In Thailand zeigt Chenin Blanc ein Profil, das sich zwischen Ananas, grünem Apfel und einer mineralischen, fast kreidigen Note bewegt – ein Resultat der sandig-vulkanischen Böden, die in Hua Hin und Khao Yai dominieren.
Colombard wiederum wirkt leichter, unbeschwerter, mit einem tropischen Aromenspektrum, das von Litschi bis zu zarten Blüten reicht. Seine Leichtigkeit täuscht: Die Hitze verlangt ihm viel ab, und Winzer müssen behutsam lesen, oft früher als erwartet, um die Balance zu halten. Beide Sorten bilden das Rückgrat der thailändischen Weißweine. Sie geben ihnen Frische, Klarheit und die Art von Säure, die in tropischen Regionen nicht selbstverständlich ist.
Rotweine – Würze, Weichheit, tropischer Rhythmus
Bei den Rotweinen zeigt sich die größte Überraschung: Sie sind oft zugänglicher, feingliedriger, weniger tanninbetont als viele Weine aus warmen europäischen Regionen. Die wichtigsten Sorten sind Shiraz, Grenache und Sangiovese – Rebsorten, die Hitze nicht fürchten und sich in Khao Yai und den Northern Highlands besonders gut behaupten.
Shiraz entwickelt Noten von schwarzem Pfeffer und sanften Waldbeeren, bleibt jedoch erstaunlich weich im Mund. Die Tannine sind rund, fast zurückhaltend, als hätten sie sich der feuchten Tropenluft angepasst. Grenache zeigt mehr rote Frucht, manchmal mit einem Hauch von getrockneten Kräutern. Sangiovese schließlich wird in einigen Weingütern zum Experiment: leichtere, rubinrote Weine, oft mit erdigen Akzenten und einer Säure, die dem lokalen Klima trotzt.
Die Reifeentwicklung ist im tropischen Jahr ein Spiel auf Zeit. Hitze kann Zucker in rasantem Tempo steigen lassen, während die phenolische Reife – die Entwicklung von Aromen und Tanninen – langsamer voranschreitet. Viele Winzer müssen daher früher lesen, gelegentlich mehrere Parzellen an einem Tag, oder gezielt beschatten, um das Gleichgewicht zu halten. Das Ergebnis sind Weine, die weniger alkoholisch ausfallen, oft zwischen 11,5 und 13 Prozent, und dennoch geschmacklich konzentriert wirken. Sie definieren einen Stil, der sich nicht an der internationalen Bombastik orientiert, sondern an einer eigenen Logik: Frucht, Trinkbarkeit, Transparenz.
Sensorische Signaturen – Das Terroir der Tropen
Was bedeutet Weinkultur in einem Land, dessen Böden, Klimazonen und landwirtschaftlichen Praktiken so jung im Weinbau sind? Vielleicht genau dies: die Fähigkeit, die Eigenheiten des Ortes sensorisch lesbar zu machen. Thailand bietet ein Terroir, das von intensiver Sonneneinstrahlung, von salzhaltiger Küstenluft, vulkanischen Sedimenten und hoher Luftfeuchte geprägt ist. Diese Elemente hinterlassen Spuren.
Weiße Rebsorten spiegeln häufig einen feinen mineralischen Ton wider, der sich schwer in bekannte Kategorien einordnen lässt – nicht kalkig, nicht schieferartig, eher eine Art salzfeuchte Klarheit. In Rotweinen wiederum zeigt sich eine Allgegenwärtigkeit von Gewürznoten, die man in kühleren Regionen seltener findet: heller Pfeffer, getrocknete Kräuter, manchmal auch eine leichte Bitternote, die eher pflanzlich als tanninbetont wirkt. Die Tropen sind geschmacklich präsent, aber nie plump.
Und doch: Der thailändische Wein ist kein „Tropenwein“, wie manche Sommeliers vorschnell anmerken. Er ist vielmehr die präzise Antwort auf eine Landschaft, die wenig Spielraum lässt und gerade dadurch zu stilistischer Klarheit zwingt. Nichts an diesen Weinen ist zufällig. Hinter jeder Balance steht ein mühsam erarbeiteter Rhythmus aus Rebschnitt, Beschattung, Bewässerung und Lesezeitpunkten.
Kann Thailand mit etablierten Regionen konkurrieren?
Die Frage wird oft gestellt – und ist doch vielleicht die falsche. Thailand versucht nicht, Bordeaux, die Toskana oder Marlborough zu imitieren. Die Winzerinnen und Winzer suchen nach eigenständigen Profilen, die sich aus der tropischen Realität ergeben. In Europa ist die klimatische Logik seit Jahrtausenden verankert; hier wird sie gerade erst erfunden.
Trotzdem gibt es Vergleiche. Einige thailändische Weine haben in internationalen Wettbewerben Anerkennung gefunden – Silber- und Bronzemedaillen, positive Erwähnungen in Asien, vereinzelte lobende Worte in britischen und australischen Magazinen. Sommeliers in Bangkok, Singapur und Hongkong nutzen thailändische Weißweine zunehmend für Pairings mit südostasiatischer Küche, weil deren Frische und Säure das Aromenspektrum der Region besser begleitet als manche importierten Alternativen. Vor allem Chenin Blanc – klar, kühl in der Struktur, tropisch in der Frucht – wird häufig als „Wein des Ortes“ bezeichnet.
Thailand konkurriert also weniger mit den großen Namen der klassischen Weinwelt, sondern mit der Idee, dass Wein nur unter bestimmten klimatischen Bedingungen entstehen könne. Der eigentliche Wettbewerb findet nicht zwischen Regionen statt, sondern zwischen Vorstellungen: Was darf Wein sein? Wo darf Wein entstehen? Welche Geschmäcker entstehen aus neuen Landschaften?
Ein Stil, der sich gerade erst formt
Die Antwort ist noch nicht abgeschlossen. Thailändischer Wein bleibt eine junge Kategorie, ein Satz im Werden. Die Winzerinnen und Winzer wissen, dass ihre Arbeit stets zwischen Herausforderung und Freiheit oszilliert. Dass manche Jahrgänge brillieren und andere kaum zu retten sind. Dass sich die Sensorik weiterentwickelt, vielleicht zu einer klareren Handschrift, vielleicht zu einer Reihe paralleler Stile – küstennah, hochlandgeprägt, experimentell.
Doch schon jetzt zeigt der Wein etwas Unverwechselbares: eine tropische Leichtigkeit, die nicht banal ist; eine Frische, die der Hitze abgerungen wird; eine Handschrift, die aus Land, Klima und Erfahrung entsteht. Eine Form von Genuss, die sich nicht an europäischen Vorbildern festhält, sondern an der Landschaft, die ihn hervorbringt.
Ökologie, Nachhaltigkeit & Klimawandel – Ein Labor der Zukunft
Wer die Weinberge Thailands bei Nacht sieht, erkennt eine Landschaft, die gleichzeitig fragil und widerstandsfähig wirkt. Zwischen den Drähten glimmen gelegentlich Solarleuchten, die nur so viel Licht geben, dass Arbeiterinnen sich orientieren können, wenn sie spät noch Bewässerungsventile kontrollieren. Über den Hügeln hängt ein feiner Dunst, ein Gemisch aus Verdunstung und der Restwärme des Tages. Die Reben ruhen nie wirklich; sie atmen weiter, wachsen weiter, selbst in der Dunkelheit. Das tropische Klima kennt keinen Winterschlaf. Und genau darin liegt die ökologische Herausforderung – und die ökologische Möglichkeit.
Tropischer Weinbau als Klimaavantgarde
Im globalen Kontext des Klimawandels wird oft davon gesprochen, dass sich klassische Anbaugebiete nach Norden verschieben. Weniger Beachtung findet die Tatsache, dass tropische Regionen wie Thailand mit ihrem Weinbau bereits in einem Zustand operieren, den andere erst erreichen: Hitze, intensive Sonneneinstrahlung, unregelmäßige Regenmuster, erhöhte Luftfeuchtigkeit. Was für Europa Zukunftsszenarien sind, ist hier Gegenwart. Man könnte sagen, der Weinbau im Tropengürtel ist ein lebendiges Labor – eine frühe Ausgestaltung jener Bedingungen, die Wein weltweit in den kommenden Jahrzehnten stärker prägen werden.
Die Winzerinnen und Winzer haben daher früh gelernt, mit Stress zu arbeiten statt gegen ihn. Rebschnitt wird so geplant, dass er künstliche Ruhephasen erzeugt; Beschattungsnetze mildern die UV-Belastung; Bewässerungssysteme balancieren die Verdunstung aus. Diese Methoden wirken auf den ersten Blick technisch, fast industriell. Doch viele sind – paradoxerweise – näher an traditionellen, kleinparzelligen Landwirtschaftspraktiken als an Hightech. Denn in den Tropen muss man den Boden lesen wie eine fließende Textur, ständig in Bewegung.
Wasser – ein immerwährendes Aushandeln
In einem Land, das von Regenzeiten geprägt ist, scheint Wasser zunächst kein knappes Gut. Doch der Weinbau bewegt sich in einem heiklen Rhythmus. Zu viel Wasser zur falschen Zeit – und die Reben quellen auf, Pilze breiten sich aus, die Trauben verlieren Konzentration. Zu wenig Wasser in der Trockenzeit – und die Reben geraten in Stress, der ihre physiologische Balance zerstört. Die Winzer sprechen von einem „dialogartigen“ Verhältnis zum Wasser: Es muss beobachtet, gemessen, antizipiert werden.
Viele Weingüter setzen Tropfbewässerung ein, doch einige – vor allem im Norden – experimentieren mit Agroforstsystemen, die den Boden länger feucht halten. Bananenstauden, Bambus, Kaffeesträucher oder Schattenbäume werden in die Randzonen der Weinberge integriert. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern speichern auch Feuchtigkeit und schaffen kühlere Mikrobereiche. Diese Systeme sind aufwendig, verlangen Geduld und stören die klare Geometrie der Weinberge – doch sie zeigen, wie sich ökologische Resilienz in einem tropischen Umfeld denken lässt.
Biodiversität – der stille Verbündete
Zwischen den Rebstöcken leben Spinnen, Frösche, kleine Echsen und eine Vielzahl von Insekten. In Europa wären einige davon unerwünscht – hier bilden sie ein Gleichgewicht, das entscheidend ist. Viele Winzerinnen und Winzer vermeiden breite chemische Eingriffe, da diese das ohnehin fragile Ökosystem aus dem Takt bringen könnten. Stattdessen setzt man auf biologische Schädlingskontrolle: Nützlingspflanzen am Rand, gezielte Fallen, natürliche Feinde bestimmter Raupenarten. Manche Weingüter halten sogar kleine Entenherden, die Schnecken fressen und gleichzeitig den Boden lockern.
Die Nähe zu Wäldern – besonders in Khao Yai – ist Teil dieser Biodiversität. Sie bringt Risiken, etwa Wildtiere, aber auch Vorteile: ein natürlicher Puffer gegen extreme Winde, eine höhere Bodenvielfalt, eine Stabilisierung der lokalen Hydrologie. Die Weinberge sind oft keine abgeschlossenen Monokulturen, sondern Inseln in einem größeren Mosaik tropischer Vegetation.
Energie und Hitze – die unsichtbare Last
Trotz all dieser natürlichen Methoden bleibt der Energiebedarf hoch. In tropischen Weinkellern müssen Tanks gekühlt, Räume temperiert und Hefestämme kontrolliert werden. Ohne diese Maßnahmen wäre eine saubere Vergärung kaum möglich. Manche Weingüter setzten auf Solaranlagen, die tagsüber genug Strom erzeugen, um die Kellereien durch die Nacht zu bringen. Andere experimentieren mit natürlicher Belüftung: Unterirdische Lagerräume, Lehmbauten, die Temperaturspitzen reduzieren, oder luftige Hallen, die das tropische Prinzip der Durchlüftung nutzen.
Doch Energiefragen sind nicht nur technische, sondern strukturelle Themen. Der Weinbau in Thailand hat sich nie unter der Illusion entwickelt, klimatologisch begünstigt zu sein. Er ist aus der Notwendigkeit heraus entstanden, ein Gleichgewicht zu schaffen, das im tropischen Jahr nur mit Hilfe präziser menschlicher Eingriffe erreichbar ist. Das macht ihn nicht weniger nachhaltig – aber es zwingt zu einer ehrlichen Betrachtung.
Der Klimawandel als Bedrohung und als Möglichkeitsraum
Während viele klassische Weinländer zunehmend unter Extremjahren leiden – Trockenstress, Waldbrände, plötzliche Starkregen –, haben sich die thailändischen Winzerinnen und Winzer an diese Unwägbarkeiten gewöhnt. Nicht, weil sie harmlos wären, sondern weil sie strukturell dazugehören. Der Klimawandel verschärft bestehende Herausforderungen: kürzere Trockenzeiten, intensivere Monsunregen, mehr Hitzetage. Doch paradoxerweise macht er die Forschung, die in Thailand betrieben wird, weltweit relevanter.
Wenn Winzer in Hua Hin beschreiben, wie sie Trauben mit Netzen gegen plötzliche UV-Spitzen schützen, oder wenn Produzenten in Chiang Mai erklären, wie sie Agroforst in die Weinbergsarchitektur einbauen, hören ihnen heute auch Forscher aus Europa und Australien zu. Thailand wird damit zu einem Ort, der zeigt, wie Wein unter Bedingungen entstehen kann, die jenseits des Bekannten liegen. Nicht als Modell, das eins zu eins übertragbar wäre, sondern als Denkraum.
Ein Blick nach vorn
Die Weinberge Thailands sind keine Idylle. Sie sind Arbeitsräume, in denen Natur und Mensch ein empfindliches Gleichgewicht aushandeln. Doch sie zeigen auch, wie sich Weinbau in einer wärmer werdenden Welt denken lässt: flexibel, hybrid, pragmatisch. Vielleicht ist es das, was Thailand ungewollt zu einem Labor der Zukunft macht – zu einem Ort, an dem man sieht, wie Weinbau reagiert, wenn die Bedingungen extremer werden, wenn die Landschaft nicht gehorcht, sondern fordert.
Und so stehen die Reben nachts weiterhin im leichten Dunst, wachsam, wachsend. Sie erinnern daran, dass Wein in Thailand nicht nur das Ergebnis einer landwirtschaftlichen Entscheidung ist, sondern einer ökologischen Notwendigkeit: der Versuch, Genuss und Landschaft miteinander zu vereinbaren, ohne die Tropen zu verleugnen.
Genuss & Kultur – Wie Thailand seinen Wein erzählt
In einem Restaurant am Strand von Pran Buri, einige Kilometer südlich von Hua Hin, fällt das Licht der untergehenden Sonne durch breite Fenster auf eine Reihe schmaler Gläser. Der sommelierartige Kellner – ein junger Mann in Leinenhose, barfuß, wie fast alle hier – schenkt einen Chenin Blanc ein, der kaum Farbe hat. Hinter ihm rauscht das Meer, während der Wind die Servietten leicht anhebt. Es ist ein Bild, das so auch im Mittelmeerraum denkbar wäre, und doch ist es unverkennbar thailändisch: Die Gischt trägt den Duft von Zitronengras mit sich, und irgendwo klappert in der Küche ein Wok. Der Wein fügt sich in diese Szenerie ein, als wäre er schon immer Teil davon gewesen.
Wein in der thailändischen Gastronomie – eine neue Sprache
Lange galt Thailand in kulinarischen Fragen als ein Land intensiver Aromen: scharf, süß, salzig, sauer – eine Küche, die durch Kontraste spricht. Wein schien darin fehl am Platz, zu leise, zu subtil. Doch mit dem Aufkommen eines urbanen Mittelstands und dem internationalen Tourismus wuchs die Neugier. In Bangkok entstanden in den letzten zwei Jahrzehnten Restaurants, die moderne thailändische Küche mit globalen Techniken verbinden. Dort lernten Sommeliers, dass thailändischer Weißwein – mit seiner frischen Säure und tropischen Frucht – sich hervorragend mit Gerichten wie scharfen Garnelen, Muscheln in Kokosmilch oder gegrilltem Fisch mit Kräutern kombinieren lässt.
Der Wein wird so zu einem neuen kulturellen Werkzeug: Er ergänzt die Schärfe, beruhigt sie nicht; er hebt Aromen hervor, statt ihnen Konkurrenz zu machen. Die Weinkultur in Thailand ist noch jung, aber sie findet schnell Anschluss an das, was die Küche des Landes ausmacht – eine Balance aus Leichtigkeit und Tiefe, aus Hitze und Frische.
Resorts, Küstenrestaurants und das Erlebnis des Ortes
Entlang der Küstenorte Hua Hin und Cha-Am, auch auf Phuket oder Koh Samui, wird Wein zunehmend Teil eines touristischen Erlebnisses. Viele Luxusresorts haben eigene kleine Bars, in denen Verkostungen stattfinden – manchmal mit Blick auf das Meer, manchmal im Schutz üppiger Gärten. Der Wein, der hier ausgeschenkt wird, erzählt weniger von seiner internationalen Herkunft als von seiner Nähe zu genau diesen Küsten. Für Reisende entsteht ein Bild, das fast poetisch wirkt: Rebstöcke im Hinterland, Strand im Vordergrund, ein Wein, der beide Welten miteinander verbindet.
Es sind Orte, an denen Genuss nicht inszeniert wird, sondern beiläufig entsteht. Ein Glas Weißwein zum scharfen Papayasalat, ein leichter Rotwein zu sattem Grillfleisch, der Blick auf die Brandung – diese Kombination wirkt überraschend selbstverständlich. Und doch ist sie das Ergebnis einer Entwicklung, die erst vor wenigen Jahrzehnten begonnen hat.
Wein als Statussymbol – aber nicht nur
In den Städten des Landes – Bangkok, Chiang Mai, Phuket – ist Wein längst ein Zeichen urbaner Zugehörigkeit. Junge Mittelschicht-Thais trinken ihn in Rooftop-Bars, in kleinen Bistros, in Vinotheken, die oft europäisch anmuten, aber dasselbe tropische Licht haben wie die Gassen draußen. Wein ist dabei nicht bloß Luxus, sondern Teil eines Lebensstils, der Internationalität ausdrückt.
Doch gleichzeitig nimmt die Vertrautheit zu. Die Hemmschwelle sinkt. Wein wird nicht mehr nur zu besonderen Anlässen konsumiert, sondern zu alltäglichen Mahlzeiten – manchmal sogar als Alternative zu Bier. Und immer öfter greifen Menschen gezielt zu thailändischen Flaschen. „Es fühlt sich an wie etwas Eigenes“, sagt eine junge Architekturstudentin in einer Bar in Chiang Mai, „so als träfen wir eine neue Version unserer eigenen Küche.“
Dieses „Eigene“ entsteht nicht nur im Konsum, sondern in der Wahrnehmung. Wein verbindet ländliche Regionen, die ihn produzieren, mit städtischen Räumen, die ihn trinken. Er wird zu einem kulturellen Vermittler – zu einem Faden, der den tropischen Weinberg mit der urbanen Skyline verknüpft.
Die Rolle des Tourismus – ein doppelschneidiges Werkzeug
Der Tourismus hat den Weinbau in Thailand früh sichtbar gemacht. Besucherinnen und Besucher, die aus Europa oder Australien kamen, sahen in den Weingütern exotische Ausflugspunkte – Weinberge im Tropenlicht, Kutschen, Verkostungsräume, Ausblicke über das Buschland. Dieses Bild trug dazu bei, dass Wein in Thailand rasch eine ästhetische Dimension bekam.
Doch die Kehrseite ist die Erwartungshaltung: Viele Reisende suchen Bekanntes. Sie wollen einen Shiraz, der an Südaustralien erinnert, oder einen Chenin Blanc, der Loire-Anklänge zeigt. Die Winzer stehen vor der Aufgabe, lokale Identität zu betonen, ohne den internationalen Gaumen auszuschließen. Manche nutzen bewusst den touristischen Rahmen, um diese Frage zu öffnen: Workshops, Führungen, Gespräche mit Önologen, in denen erklärt wird, warum Wein hier anders schmeckt – und warum genau das sein Wert ist.
Urbaner Weinkonsum – Rituale einer neuen Mittelschicht
In Bangkok, einer Stadt, die nie schläft und deren Straßenszenen sich in immer neue Muster ordnen, ist Wein Teil einer entstehenden Alltagsetikette geworden. Viertel wie Thonglor oder Ari beherbergen Bars, die kleine, kuratierte Listen führen: einige internationale Flaschen, einige lokale. Hier wird Wein nicht ehrfürchtig getrunken, sondern gesellig. Der Gedanke, dass Rebsorten in Thailand ein neues sensorisches Profil entwickeln, ist für viele Gäste kein theoretischer Diskurs, sondern schlicht ein Teil des Abends.
Und dennoch hat diese Entwicklung etwas Symbolisches. Sie zeigt ein Land, das im Begriff ist, die Trennung zwischen lokaler Tradition und globaler Kultur aufzulösen. Wein ist ein Element dieses Übergangs – ein Getränk, das nicht historisch gewachsen ist, aber heute als kulturelle Brücke dient.
Wein als Landschaftserzählung
Vielleicht liegt die Zukunft der thailändischen Weinkultur weniger in der Angleichung als in der Authentizität. Das, was Thailand im Wein einzigartig macht, ist nicht seine technische Exzellenz oder seine üppige Tradition, sondern sein Blick auf Landschaft: die tropische Küste, die Hochlandnebel von Khao Yai, die experimentellen Terrassen von Chiang Mai. Wenn Wein hier getrunken wird, spürt man oft mehr vom Ort als vom Stil. Er erzählt in Aromen, was die Landschaft tagtäglich verhandelt: Hitze, Feuchtigkeit, Wind, Geschwindigkeit.
So entsteht ein Genuss, der nicht imitiert, sondern erinnert – an die Hügel, an das Meer, an die Mühen, die dahinterstehen. Ein Genuss, der sich an eine Kultur anschmiegt, die flexibel, sensibel und voller Beweglichkeit ist.
Abschied im Abendlicht – Der Weinberg, der in die Nacht gleitet
Am frühen Abend färbt sich der Himmel über Hua Hin in ein stumpfes Gold, das langsam in Kupfer übergeht. Die Hitze des Tages löst sich nur widerwillig, als hätte sie selbst Mühe, den Griff von den Hügeln zu nehmen. Zwischen den Rebstöcken liegt ein schmaler, von kleinen Steinen gesäumter Pfad, auf dem der Kellermeister nun langsam zurück zum Hof geht. Die Luft hat sich verändert. Sie trägt nicht mehr die Schärfe des Nachmittags, sondern eine milde Süße, durchzogen von jener salzigen Note, die aus Richtung Golf von Thailand heraufweht und die Landschaft wie ein dünner Schleier überzieht.
Der Kellermeister bleibt stehen, als er die letzten Reihen erreicht. Hinter ihm liegt der Weinberg wie ein großes, gleichmäßig atmendes Tier. Man hört kaum etwas, nur das Rascheln der Blätter, das Zirpen der Zikaden und in der Ferne das langsame Rollen einer Welle, die an den Strand trifft. Für einen Moment sieht er aus wie jemand, der versucht, den Tageslauf festzuhalten: das zarte Morgenlicht, die feuchte Hitze der Mittagsstunden, den Wind, der nachmittags die Schattennetze zum Flattern bringt. Jede dieser Phasen hat die Reben berührt, sie geprägt, sie ein Stück weitergeführt in ihrem ungewöhnlichen, tropischen Zyklus.
Ein paar Arbeiterinnen kommen den Hang hinunter. Sie lachen leise, schleudern Staub aus ihren Schuhen und verabschieden sich mit einem kurzen Nicken. Ihre Hände sind müde von der Laubarbeit, doch sie gehen ruhig, als hätten sie sich längst an diesen Takt gewöhnt – den Rhythmus eines Weinbaus, der keinen Winter kennt und keine langen Pausen. Ihre Silhouetten verschwinden bald in einem warmen Schimmer, der über dem Tal liegt. Aus der Ferne klingt das Hufgetrappel eines Elefanten, der irgendwo im Gebüsch unterwegs sein muss, ein Geräusch, das hier ebenso selbstverständlich ist wie die Windräder der Bewässerungspumpen.
Der Kellermeister hebt eine einzelne Traube an, prüft sie im Licht. Noch Wochen bis zur Lese, doch schon jetzt zeigt sich die Richtung des Jahrgangs: helle Säure, etwas weniger Zucker als erwartet, ein Gleichgewicht zwischen Reife und Zurückhaltung. Er weiß, dass Rebsorten im Tropenklima ihre eigenen Regeln schreiben. Und er weiß auch, dass es in dieser Landschaft keinen Platz für starre Vorstellungen gibt. Alles ist ein Verhandeln – mit Hitze, mit Regen, mit Böden, die sich bei Starkniederschlägen verändern wie atmende Organismen.
Was ihm bleibt, ist das tägliche Gespür: für den Moment, in dem die Pflanze zeigt, was sie braucht. Für den Punkt, an dem die Technik zurücktritt und die Erfahrung entscheidet. Für jenen zarten Übergang von Wachstum zu Konzentration, aus dem später ein Wein entsteht, der nach tropischem Licht schmeckt und nach der langsamen Abkühlung des Abends.
In wenigen Stunden wird die Nacht kommen. Sie bringt keine Kälte, nur eine gewisse Sanftheit, die die Reben zur Ruhe zwingt, ohne sie wirklich zur Ruhe zu bringen. Die Tropen lassen niemanden los – Menschen nicht, Pflanzen nicht. Und doch liegt gerade darin die leise Schönheit dieses Ortes: Wein entsteht hier nicht trotz der Umstände, sondern inmitten ihrer Unberechenbarkeit.
Der Kellermeister blickt ein letztes Mal über die Anlage. Die Schatten werden länger, die Farben tiefer, und für einen Augenblick wirkt es, als flösse das Licht selbst durch die Reihen. Vielleicht, denkt er, ist Weinbau immer ein Wagnis – ob in Frankreich, Australien oder hier. Vielleicht ist er sogar nirgends so radikal wie in Thailand, wo jede Ernte eine Art Widerstand gegen das Vorhersehbare ist.
Er dreht sich um und geht den Pfad hinunter. Hinter ihm taucht der Weinberg in die Dämmerung ein, bereit, eine weitere tropische Nacht zu beginnen. Und während die ersten Sterne über der Küste aufleuchten, bleibt eine Frage im Raum, die niemand beantworten muss: Braucht es Mut oder einen gewissen stillen Trotz, um hier Wein zu machen – oder ist genau dieses Ringen mit der Natur der eigentliche Kern einer jungen, wachsenden Weinkultur?


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